Kunstwerk recherchieren: Die wichtigsten Datenbanken und Plattformen für Sammler

Kunstwerk recherchieren: Die wichtigsten Datenbanken und Plattformen für Sammler

Wo Sie Künstlerinformationen, Marktpreise und Provenienzdaten seriös nachschlagen können

Wer ein Kunstwerk kaufen, verkaufen, versichern oder einfach besser verstehen möchte, kommt an einer gewissen Recherche nicht vorbei: Wer war der Künstler? Was hat ein vergleichbares Werk zuletzt erzielt? Gibt es Hinweise zur Herkunft? Die gute Nachricht: Für all diese Fragen existieren spezialisierte Online-Datenbanken – von kostenlosen Museumsarchiven bis zu kostenpflichtigen Marktdaten-Plattformen.

Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Anlaufstellen für private Sammler – gegliedert nach Recherchezweck.

Ein Hinweis vorab

Keine einzelne Datenbank ist vollständig oder fehlerfrei. Für eine fundierte Einschätzung lohnt es sich, mehrere Quellen zu vergleichen – und bei wichtigen Entscheidungen zusätzlich fachliche Beratung einzuholen, etwa durch einen Gutachter oder Kunstberater.

Künstlerinformationen und Marktdaten

Für Fragen zu Marktwert, Auktionshistorie und Verkaufszahlen eines Künstlers sind kommerzielle Marktdatenbanken die wichtigste Anlaufstelle:

PlattformSchwerpunktZugang
ArtnetAuktionsergebnisse, Künstlerprofile, Galerieangebote – international führendTeils kostenlos, Preisdatenbank kostenpflichtig
MutualArtAuktionsdaten, Künstlerbiografien, Markttrend-AnalysenTeils kostenlos, Premium kostenpflichtig
MAGEDADeutsche Maler- und Gemäldedatenbank mit über 400.000 Werken und Verweisen auf WerkverzeichnisseKostenpflichtiges Abonnement
AskARTFokus auf US-amerikanische und nordamerikanische KünstlerTeils kostenlos, Premium kostenpflichtig

Werkverzeichnisse (Catalogue Raisonné)

Ein Catalogue Raisonné ist das umfassende, wissenschaftlich erarbeitete Verzeichnis aller bekannten Werke eines Künstlers – die wichtigste Referenz zur Prüfung von Echtheit und Vollständigkeit eines Œuvres.

International Foundation for Art Research (IFAR): Durchsuchbare Datenbank mit Verweisen auf über 3.400 Werkverzeichnisse verschiedener Künstler (ifar.org).
Cranach Digital Archive: Umfassendes Spezialverzeichnis zu Lucas Cranach und seiner Werkstatt, mit über 700 Gemälden (lucascranach.org).
Künstlerspezifische Stiftungen und Archive: Viele bedeutende Künstler verfügen über eigene Nachlassverwaltungen oder Stiftungen, die eigene Werkverzeichnisse pflegen – eine gezielte Suche nach „[Künstlername] Werkverzeichnis“ oder „catalogue raisonné“ führt meist zur richtigen Anlaufstelle.
Gemeinsame Normdatei (GND) über lobid.org: Die von deutschen Bibliotheken gepflegte Normdatei enthält für sehr viele Künstlerinnen und Künstler standardisierte Basisdaten wie Lebensdaten, alternative Namensschreibweisen und eine eindeutige Normdaten-ID – eine verlässliche, kostenlose Quelle zur ersten Identifikation.

Provenienzforschung und NS-Raubkunst

Für die Prüfung der Besitzgeschichte eines Werkes – insbesondere bei möglichem Bezug zur NS-Zeit – gibt es in Deutschland spezialisierte, öffentlich zugängliche Datenbanken:

Lost Art (lostart.de): Die zentrale deutsche Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste für gesuchte und gefundene NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter.
ProvenienzdatenbankBund: Bundeseigene Datenbank der Kunstverwaltung des Bundes (KVdB) zu Werken aus dem sogenannten Central-Collecting-Point-Restbestand, recherchierbar nach Künstler und Objektart.
Getty Provenance Index: Internationale Datenbank zu Sammlungs- und Besitzgeschichten von Kunstwerken, geführt vom Getty Research Institute (getty.edu).
Koordinierungsstelle Magdeburg: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste – zentrale fachliche Anlaufstelle für Provenienzforschung in Deutschland.
Hinweis zur Provenienzforschung

Die Recherche zu einem möglichen NS-Raubkunst-Hintergrund ist historisch komplex und sollte bei konkretem Verdacht durch spezialisierte Provenienzforscher oder die Koordinierungsstelle Magdeburg begleitet werden. Die genannten Datenbanken sind ein erster Ausgangspunkt, ersetzen aber keine vertiefte fachliche Recherche.

Museums- und Bilddatenbanken

Für kunsthistorischen Kontext, Vergleichsabbildungen und Sammlungszugehörigkeiten sind digitale Museumsarchive eine wertvolle, meist kostenlose Quelle:

Bildindex der Kunst und Architektur (bildindex.de): Verbunddatenbank von über 80 deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen mit rund 2 Millionen Abbildungen.
Museum Digital (museum-digital.de): Zusammenschluss deutscher Museen mit online zugänglichen Sammlungsobjekten.
Europeana (europeana.eu): Europäische Plattform mit Zugang zu über 50 Millionen digitalen Objekten aus Museen, Archiven und Bibliotheken.
Einzelne Museumsarchive: Viele große Häuser wie das Metropolitan Museum of Art, der Louvre oder die National Gallery bieten eigene, umfangreiche und kostenlose Online-Sammlungen.

Auktionshäuser als Recherchequelle

Auktionshäuser wie Christie’s, Sotheby’s oder regionale deutsche Häuser führen selbst umfangreiche Provenienzrecherchen durch, bevor sie ein Werk zum Verkauf anbieten. Ihre öffentlich einsehbaren Auktionskataloge und -archive enthalten oft detaillierte Angaben zu Herkunft, Ausstellungsgeschichte und Literaturverweisen vergleichbarer Werke – eine oft unterschätzte, kostenlose Recherchequelle.

Praktisches Vorgehen: So kombinieren Sie die Quellen sinnvoll

Eine gründliche Recherche folgt idealerweise dieser Reihenfolge:

  1. Grundlegende Künstlerinformationen: Biografie, Werkperioden und Bedeutung über Künstlerlexika oder Museumsarchive einordnen.
  2. Werkverzeichnis prüfen: Ist das Werk in einem Catalogue Raisonné oder Nachlassverzeichnis dokumentiert?
  3. Marktdaten recherchieren: Vergleichbare Auktionsergebnisse über Artnet, MutualArt oder MAGEDA einordnen.
  4. Provenienz prüfen: Bei älteren Werken oder unsicherer Herkunft die einschlägigen Provenienzdatenbanken konsultieren.
  5. Ergebnisse dokumentieren: Fundstellen, Datum der Recherche und Quellen direkt beim jeweiligen Werk festhalten – für spätere Nachweise unverzichtbar.

Wie all.my.arts Ihre Rechercheergebnisse sinnvoll ergänzt

Datenbanken liefern die Rohinformationen – doch damit sie langfristig nützlich bleiben, müssen die Ergebnisse strukturiert mit dem jeweiligen Werk verknüpft werden. Ohne diesen Schritt geht der Zusammenhang zwischen Recherche und Werk schnell wieder verloren.

Rechercheergebnisse mit all.my.arts festhalten:

✓ Künstler anlegen mit direktem Zugriff auf lobid.org: Normdaten aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) – Lebensdaten, alternative Namen, Normdaten-ID – lassen sich mit einem Klick übernehmen, statt sie manuell einzutippen
✓ Fundstellen und Quellenangaben direkt im Provenienzfeld des jeweiligen Werkes hinterlegen
✓ Vergleichbare Auktionsergebnisse als Notiz zur Werteinschätzung speichern
✓ Screenshots oder PDF-Ausdrucke von Werkverzeichnis-Einträgen als Dokument ablegen
✓ Recherchestand mit Datum dokumentieren – wichtig, da sich Marktdaten und Zuschreibungen über die Zeit ändern können

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Fazit: Gute Recherche kombiniert mehrere Quellen

Keine einzelne Datenbank beantwortet alle Fragen zu einem Kunstwerk. Erst die Kombination aus Künstlerinformationen, Marktdaten, Werkverzeichnissen und – wo relevant – Provenienzdatenbanken ergibt ein verlässliches Gesamtbild.

Wer seine Rechercheergebnisse von Anfang an strukturiert festhält, spart sich bei der nächsten Frage zu demselben Werk viel Zeit – und schafft gleichzeitig eine belastbare Dokumentation für Versicherung, Verkauf oder Nachlass.

Rechercheergebnisse strukturiert festhalten

Mit all.my.arts verknüpfen Sie Quellen, Marktdaten und Provenienzhinweise direkt mit dem jeweiligen Werk.

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